Warum fängt Religionsunterricht nicht ganz vorn an?

Warum fängt Religionsunterricht nicht ganz vorn an? Sie verstehen die Frage nicht? Kann ich gut verstehen. Wahrscheinlich denken Sie, es gäbe kaum ein älteres Schriftstück als das alte Testament auf dieser Erde. Zumindest glauben das die meisten Menschen. Schließlich sagt man ja auch: „In biblischen Zeiten“ wenn man etwas sehr sehr lange Zurückliegendes meint. Was, wenn ich Ihnen nun aber sage, dass das alte Testament, jenes Schriftstück, auf das sich ganze drei Weltreligionen stützen, ein vergleichbar junges Dokument ist? Was, wenn ich Ihnen nun sage, dass es viel ältere Dokumente gibt, die die gleiche Thematik behandeln, jedoch viel ausfürhlicher sind? Glauben Sie nicht? Doch, die gibt es. Wahrscheinlich haben Sie schon einmal von einem sogenannten Gilgamensch-Epos gehört und davon, dass es die, im alten Testament beschriebene Sintflut bestätigt. Beim Gilgamesch-Epos handelt es sich um eine literarische Zusammenfassung, die in mehreren Versionen von mehreren Völkern aufgeschrieben wurde und die die Suche des sumerischen Königs Gilgamesh nach der Unsterblichkeit zum Inhalt hat. Es entstand ungefähr 1500 v.Ch. wobei man sagen muss, dass es mehrere Fassungen und darunter auch ältere gibt. Eher am Rande erfährt der Leser, dass es eine große Flut gegeben hatte und auch einen Helden, der ein Schiff baut um sich und die seinen zu retten. Utnapishtim ist sein Name im Gilgamesh-Epos. Ausgegraben wurde es im Jahre 1842 in der altassyrischen Stadt Ninive. Die erste Veröffentlichung – ohne detaillierte Übersetzung noch – fand im Jahre 1872 statt. Erst seit vergleichsweise wenigen Jahren wissen wir um die brisanten Inhalte. Denn das Epos beweist, dass zumindest Teile des ersten Buch Mose keineswegs durch „göttliche Eingebung“ niedergeschrieben, sondern lediglich aus einer älteren Schrift kopiert wurden. Andererseits kommt es den Abramischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) keinesegs ungelegen, bestätigt es doch die Tatsache, dass es wirklich eine Sintflut gab.