Der Ganzfeld-Laser-Versuch

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Dieser Artikel baut inhaltlich auf zwei frühere Artikel auf, die Sie unbedingt vorher gelesen haben sollten, um den vorliegenden Artikel verstehen zu können.

Artikel 1
Artikel 2

In allen drei Artikeln geht es letztendlich um die, nicht zuletzt von Nick Bostrom aufgestellte und vielfach diskutierte These, dass unsere Realität, unser gesamtes Universum mit allem, was sich darin befindet, lediglich Teil einer gigantischen Simulation ist. Vieles spricht für diese These. Etwa der Umstand, dass es nicht weniger als zwei sehr unterschiedliche Modell der Physik gibt, die unsere Realität beschreiben; die Teilchenphysik, die sich auf die Quantenmechanik stützt und das Standardmodell der Kosmologie, welches sich auf die allgemeine Relativitätstheorie stützt.

Beide haben recht. Beide lassen sich mathematisch beweisen. Beide lassen sich in empirischen Versuchen nachweisen. Beide finden erfolgreich Anwendung in der Technologie. Beide sind also richtig.

Doch gleichzeitig lassen sie sich nicht nur nicht in Einklang miteinander bringen – sie widersprechen sich auf fundamentalster Ebene. Mit anderen Worten: Wenn eines der beiden Erklärungsmodelle richtig ist, dann ist das jeweils andere zwangsläufig falsch. Da beide aber gleichermaßen richtig sind, stimmt etwas mit unserer Realität nicht – etwas, das gewissermaßen „hinter“ der beobachtbaren Physik liegt.

Und wie lässt das nun Rückschlüsse darauf zu, dass unsere Realität in Wirklichkeit simuliert sein könnte?

Wenn sich zwei so unterschiedliche Modell mit ein und derselben Mathematik beweisen lassen, dann ist diese Mathematik nicht die wahre Grundlage unseres Universums – dann ist sie eine künstlich erschaffene Regel. Eine Codezeile, die festlegt, welche Bedingungen wahr und welche unwahr sind.

Doch das ist bei weitem nicht der einzige Hinweis.

Überall um uns herum herrscht Entropie. Kippen wir Milch in Kaffee, vermischt sie sich unwiederbringlich – selbst dann, wenn wir nicht aktiv umrühren. Das scheint ein unumstößliches Naturgesetz zu sein.

Gleichzeitig jedoch offenbart die Natur eine verblüffend einfache Ordnung in allem, was sie hervorbringt. Vom Baum über den Flusslauf bis hin zu ganzen Galaxien: Alles folgt so wenigen mathematischen Regeln, dass es kaum zu fassen ist. Diese komplexen Strukturen lassen sich auf geradezu kindlich einfache Weise beschreiben, etwa mit dem Goldenen Schnitt (Phi) oder durch fraktale Geometrie.

Während also alles Bestehende unweigerlich nach Unordnung strebt, folgt alles Entstehende einem maximal simplen Schema. Das Interessante daran: Genau so arbeitet auch die Programmierung. Es würde die Kapazitäten selbst der leistungsstärksten Rechner sprengen, jeden einzelnen Baum ohne eine vorgefertigte „Schablone“ von Grund auf neu zu berechnen. Um Ressourcen zu sparen, nutzt man in der Softwareentwicklung stattdessen die Instanziierung. Ein grundlegender Basis-Code wird nur ein einziges Mal in den Speicher geladen. Ob daraus dann ein einzelner Baum oder ein ganzer Wald generiert wird, macht für die Rechenleistung kaum noch einen Unterschied. Dass am Ende jeder Baum einzigartig aussieht, wird lediglich durch winzige Variationen der Variablen – quasi durch Nachkommastellen – erreicht.

Betrachtet man unser sichtbares Universum, drängt sich der Eindruck auf, es sei auf exakt dieselbe Weise konstruiert worden. Man könnte es in einem Satz zusammenfassen: Während die physische Existenz der Entropie und der Thermodynamik unterworfen ist, scheint die dahinterliegende Information – die Infodynamik – konsequent der Negentropie zu folgen.

Dies führt zu einer ebenso logischen wie verblüffenden Schlussfolgerung: Alles, was komplexe Form und Struktur annimmt, wird letztlich aus reinen Daten erschaffen.

Die Idee, dass unser Universum nicht ganz das sein könnte, für das wir es halten, ist nicht neu. Bostrom ist nur der letzte in einer langen Reihe von Skeptikern. Selbst Einstein und seine Zeitgenossen schlossen die Möglichkeit nicht aus. Doch da zu ihrer Zeit die Computertechnologie noch ganz am Anfang stand und sich niemand vorstellen konnte, ganze lebensechte Welten aus reiner Information zu erschaffen, nutzten frühe Ideengeber meist andere Begriffe. Spiegelungen, Hologramme, Trugbilder.

Das Tragische an neuen physikalischen Ideen ist immer, dass Esoteriker sich ihrer bemächtigen, sobald sie eine gewisse Popularität erlangen. Das war schon bei der Vorstellung der Quantenmechanik so und spitzte sich mit der Stringtheorie noch weiter zu.

So ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass die populärwissenschaftliche Diskussion rund um die aktuelle Simulationstheorie sofort von der Esoterik unterwandert wurde. Dabei schert sie sich nicht darum, dass Bostrom eine deterministische Simulation beschrieb. Das Internet ist voll von Erklärungen, dass die Simulation – na klar – von unseren eigenen Bewusstseinen erschaffen wurde. Wir schaffen uns die Umgebung, in der wir leben müssen und die wir nicht verstehen, durch unser Denken selber.

Alles andere wäre für die Esoterik auch schwierig. Schließlich existiert sie von der Idee, dass der Mensch eigentlich ein Super-Jedi ist, der mit Energien heilt und alles was er sich wünscht, ganz einfach herbei“affimrieren“ kann. Dass man ständig die gegenteilige Erfahrung macht, hängt nach Ansicht esoterischer Missionare einzig und allein damit zusammen, dass man entweder nicht fest genug daran glaubt oder dass man einfach noch nicht die ausreichen hohe „Bewusstseinsstufe“ erreicht habe. Man darf ihre Aussagen halt nicht bezweifeln; dann klappt das schon.

Eine determinstische Simulation wird dann eben zum „Lernzentrum“, in dem wir dumme Ungläubigen diese „höhere Bewusstseinsstufe“ erreichen sollen. Es ist also nur da, weil es hier und da noch rationale Menschen gibt, die zu Esoterikern so fies und böse sind, wie ich gerade.

Um es kurz zu machen: Die nachfolgende Anleitung ist nicht für solche Esoteriker gedacht. Sie ist für Wissenschaftler gedacht, die methodisch vorgehen und ihre Ergebnisse auswerten.

Wir kombinieren bei diesem Versuch das sogenannte „Ganzfeld-Experiment“ mit Danny Golers Laser-Experiment. Warum? Damit wir bei unseren Versuchen nicht jedes Mal DMT nehmen müssen. So angenehm ist das nämlich nun auch wieder nicht. Der Ganzfeld-Versuch ist ebenfalls dazu geeignet, Halluzinationen auszulösen – und das ganz ohne chemische Substanzen. Er schafft das durch Sinnesentzug, was einen zweiten positiven Effekt auf unser Experiment darstellt.

Für den Versuch drucken wir uns eine „Steampunk“-Brille mit dem 3D Drucker und kleben anstelle der Gläser die beiden Hälften eines zerschnittenen Tischtennisballs auf. Diese diffundieren das Licht und sorgen dafür, dass keinerlei Konturen mehr sichtbar werden.

Der Proband trägt zudem Köpfhörer, über die weißes Rauschen emittiert wird.

So vorbreitetet wird er vor den Golers Laser platziert; mit dem Gesicht dem Laser zugewandt.

Nun warten wir eine halbe Stunde. Wichtig ist der möglichst vollständige Entzug sämtlicher Sinnesreize.

Nach ca. 30 Minuten beginnt der Proband erste Bilder zu sehen und zu beschreiben. Wir zeichnen seine Eindrücke auf und vergleichen sie mit weiteren Aussagen anderer Probanden.

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