Das Grundprinzip verstehen – So funktioniert die Geldumverteilungsmaschinerie

The-Tax-Collectors-between-1490-and-1567Stelle Dir einmal folgendes Szenario vor: Du bekommst täglich 10 Euro und musst davon den ganzen  Tag lang leben. Normalerweise gelingt Dir das mit Ach und Krach aber es kommt der Tag an dem Du mehr Geld benötigst, sei es weil Dein Hund krank ist, weil die Waschmaschine kaputt ist, weil das gekaufte Essen verdorben war und Du es noch einmal kaufen musstest….egal welche Gründe auch vorliegen – Du brauchst heute eindeutig mehr Geld als die 10 Euro, die Dir zur Verfügung stehen. Heut brauchst Du 15 Euro.

Nehmen wir weiter an, es käme nun jemand und böte Dir seine Hilfe an. Er gibt Dir die benötigten zusätzlichen 5 Euro, doch er tut das nicht uneigennützig. Er sagt Dir: „Wenn ich Dir das Geld leihe…was habe ich dann davon? Gib mir einen Anreiz um dir das Geld zu leihen. Gib mir mehr als die 5 Euro zurück, die ich dir geliehen habe.“

Wenn Du Dich auf diesen „Handel“ einlässt, schuldest Du ihm 6 Euro, hast aber nur 5 von ihm bekommen. Es ist nun wirklich völlig gleichgültig ob Du ihm diese Schulden gleich am nächsten Tag oder in mehreren kleinen Häppchen zurückzahst – deutlicher wird es wenn wir hier annehmen, dass Du ihm das Geld sofort am nächsten Tag zurückzahlst sobald Du Deine 10 Euro bekommen hast.

Er kommt also am nächsten Tag vorbei und fordert seine 6 Euro. Erst jetzt erkennst Du Dein Dilemma: Du besitzt jetzt nur noch 4 Euro für den ganzen Tag und 10 Euro waren ja schon knapp bemessen. Mit 10 Euro bist Du gerade so über die Runden gekommen aber von nur 4 Euro kannst Du niemals überleben! Was tust Du also?

Wendest Du Dich wieder an den „freundlichen“ Geldverleiher oder wirst Du lieber verhungern und verdursten?

Du hast keine Wahl. Du musst heute überleben und so erbittest Du Dein nächstes Darlehen. Du benötigst 10 Euro, besitzt aber nur 4. Die restlichen 6 Euro leihst Du Dir…natürlich nicht ohne Gegenleistung. Am nächsten Tag wirst Du Deinem „Gönner“ nicht 6 Euro, sondern 7,20 Euro zurückzahlen müssen. Du rechnest nach und stellst fest, dass Du von den verbleibenden 2,80 Euro noch viel weniger leben kannst als von den 4 Euro die Du heute noch zur Verfügung hattest und kommst zu dem Schluss, dass Du Dir wohl erneut wirst Geld leihen müssen. Du stellst fest, dass dies nicht ewig so weiter gehen kann. Je nachdem wie hoch der verlangte Zins ist, wirst Du nicht nur kein Geld mehr zum Leben haben, sondern wirst das dann zwangsläufig geliehene Geld mit seinen Zinsen nicht mehr zurückzahlen können.

Dein gesamtes Geld ist nun also umverteilt worden, von Dir, der von Anfang an zu wenig davon hatte und irgendwann zwangsläufig mehr brauchte als er besaß hin zu jenem, der von Anfang an so viel Geld besaß, dass er Dir etwas davon leihen konnte, der dies aber nicht uneigennützig tat, sondern Dich ausbluten ließ bis Du weniger als gar nichts mehr besaßt.

Doch hat der Zinsnehmer nicht am Ende sogar recht? Ist es nicht so, daß Dir niemand jemals Geld geliehen hätte wenn er dafür keine Zinsen hätte nehmen können? Ist die Welt wirklich so herzlos? Ja, das ist sie wahrscheinlich wirklich. Diejenigen, die völlig uneigennützig geben, lassen sich tatsächlich an einer Hand abzählen. Doch deshalb hatte der Zinsnehmer keineswegs recht. Es ist das System, das ihm die Möglichkeit zur Zinsnahme einräumte weil dieses System ihm erlaubte, sein Geld als Handelsware zu missbrauchen. Das System duldet damit ein ähnliches Verbrechen wie Diebstahl oder Erpressung.

Und die Lösung ist ganz einfach: Man mache diese perfide Art der „wundersamen Geldvermehrung“ einfach unmöglich teuer – so teuer, dass sie sich einfach nicht mehr lohnt. Wer sich schon ein wenig mit dem Thema Freigeld, Demurragegeld, Silvio Gesell etc. auseinandergesetzt hat, wird nun auch gleich das passende Mittel an der Hand haben, um eine solche Verteuerung umzusetzen: Demurrage oder „negativer Zins“. Anders als der positive Zins, den unser freundlicher Geldverleiher seinen Opfern abknöpft und der immer dann greift wenn Geld in Umlauf gebracht wird, greift negativer Zins immer dann wenn man Geld hortet, also dem Umlauf vorenthält. Und Geldhortung ist die Grundvoraussetzung für Geldverleih. Eine Demurrage lässt gehortetes Geld dahinschmelzen wie Eis in der Sonne. Idealerweise gibt es eine flexible Demmurage, d.h. je mehr ein Zinsnehmer zu horten versucht, umso größer ist sein Verlust. In einem solchen System kann Geld nicht mehr leistungsfrei „verdient“ werden, d.h. der Gelderwerb ist immer an eine Leistung gebunden. Tatsächlich ist er das sowieso und auch in unserem Zinssystem. Denn grundsätzlich muss für jeden Verdienst immer eine Gegenleistung in Form von Arbeit erbracht werden. Der Zinsnehmer, der ja selber keinen Finger krümmt, lässt diese Dienstleistung lediglich von anderen erbringen.

Wie das geht? Ganz einfach: Nehmen wir an, der Zinsnehmer verleiht eine große Summe an einen Staat. Er fordert diese Summe plus Zinsen zurück. Damit der Staat die Zinsen bezahlen kann, erhebt er Einkommensteuer. Ja, tatsächlich ist der Gelderwerb so ziemlich das teuerste Hobby, das man sich „leisten“ kann, denn es kostet, je nach Steuerklasse, bis zur Hälfte des erwirtschafteten Geldes. Das ist (der einzige) Grund für diese riesige Differenz zwischen einem Brutto- und einem Nettoeinkommen. Du, ich…wir alle arbeiten einen großen Teil unserer Lebenszeit nur, damit der Zinsnehmer nicht arbeiten muss, damit der Zinsnehmer ohne jede Leistung sein Geld vermehren kann um es dann erneut zu verleihen und noch mehr Geld zu horten.

Das Zinssystem zieht dabei deutlich größere Kreise als Du vielleicht vermutetst. Du hast Dich vielleicht schon einmal gefragt wieso ein Staat wie Deutschland, Italien etc. so einfach ein Milliardendarlehen von einem Zinsnehmer bekommt….was, wenn er dieses Darlehen nicht zurückzahlen kann? Wie Du weisst, verlangt jeder Zinsnehmer Sicherheiten um sich vor Verlusten abzusichern. Wenn Du einen kleinen Verbraucherkredit bei Deiner Bank willst, dann musst Du zumindest nachweisen, dass Du auf absehbare Zeit noch berufstätig bist und genug Geld verdienst um der Bank das Darlehen plus Zinsen zurück zahlen zu können. Bei größeren Krediten musst Du gar Wertgegenstände wie Dein Haus verpfänden.

Doch wie ist das bei einem Staat? Es ist ganz genau so! Ein Staat verpfändet als Sicherheit die Arbeitskraft seiner Bürger. Damit er so genau wie möglich angeben kann wieviel seine Bürger in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verdienen werden, muss er eine gewisse Kontrolle über deren Ausbildung und Gesundheitszustand ausüben. Und nun sind wie bei Schulen und Reihenuntersuchtungen. Schulen sind eigentlich nichts weiter als ein Garant für den Staat bzw. den Geldverleiher, dass auch die nächsten Generationen noch möglichst produktiv sein werden. Denn ein Staat wie Deutschland hat nicht nur die aktuelle Bevölkerung verpfändet, sondern auch schon zukünftige Generationen. Dabei ist es dem Staat durchaus an einer gut gedeckten Mittelschicht gelegen, die dank großer Einkommen viele Steuern zahlt und auf dieses Weise den Zinsnehmer beruhigen.

Ist es tatsächlich sooo einfach, diem perfiden Zinssystem zu entkommen und die wenigen Profiteure am System, die man tatsächlich an einer Hand abzählen kann, zu entmachten und (wichtiger noch) zu entreichern? Nein, leider ist das nicht ganz so einfach. Denn außer der Zinsnahme gibt es noch einige andere Möglichkeiten, leistungslos Geld zu „erwirtschaften“ und die Parasiten, die sich heute am Zinsgeld laben, würden sich, noch bevor das System gänzlich umgestellt wäre, beispielsweise an Mieten oder Pachten laben. Wie das geht? Nun, ganz einfach: In dem Moment wo ihnen gewahr würde, dass Geld als solches nicht mehr Reichtum und Macht verspricht, würden sie selbiges in den Immobilienmarkt pumpen. Wir dürfen nicht vergessen: Diesen Parasiten gehört mehr als 98% des gesamt verfügbaren Geldes. Nach dem Großeinkauf gehörte ihnen alles was buchstäblich nicht niet- und nagefest ist und wir müssten Miete zahlen um es nutzen zu können. Wuchermieten! Und schon befänden wir uns in der gleichen Zwickmühle wie zuvor.