Sind die Zentralbanken doch nicht der Buhmann? – Freigeld

Bekanntermaßen leben wir in einer Zeit der Finanzkrise. Banken leihen sich untereinander nur höchst misstrauisch Geld. Fremden Regierungen Geld zu leihen ist für Banken derzeit noch undenkbarer. Also sitzen die Banken auf Unmengen von Geld, verleihen es aber nicht.

Das ist den Zentralbanken – also den Gelddruckern – ein Dorn im Auge. So hat die EZB für Kapitalanlagen der Banken bei der EZB einen Strafzins eingeführt. Lässt eine Bank eine bestimmte Summe auf ihrem Konto bei der EZB liegen, bekommt die Bank dafür keine Zinsen, sondern muss welche zahlen. Die EZB rechnet derzeit mit 0,2% Strafzinsen. In anderen Worten: Das angelegte Kapital wird ständig kleiner.

Die SNB, die Schweizer Nationalbank, hat diesen Strafzins sogar auf 0,5% fixiert. Geld, das bei der SNB angelegt ist, schrumpft spürbar.

Die Banken wollen nun diese Strafzinsen natürlich auch an ihre Kunden weitergeben. Wer viel Geld auf dem Bankkonto liegen hat, soll ebenfalls Strafzinsen zahlen – denn die Banken geben Kosten gerne an ihre Kunden weiter.

Was macht nun der Bankkunde? Er geht zur Bank und lässt sich sein Geld in bar auszahlen, packt es unter die Matratze (oder ins Schließfach, wenn er eines hat) und freut sich über die gesparten Strafzinsen.

Das finden die Zentralbanken – wir erinnern uns: die EZB und die SNB – gar nicht lustig. Denn Bargeld unter der Matratze ist Kapital, das dem Markt entzogen ist. Bei Einzelbeträgen von 10.000 oder 100.000 Euro ist das zu verschmerzen. Schlimm wird es, wenn z. B. die Schweizer Rentenkasse bei ihren Banken anfragt, ob die Milliarden an Schweizer Franken nicht in bar ausgezahlt werden könnten, damit man sich die Strafzinsen spart.

Das brachte die SNB total auf die Palme! Wie kann man verhindern, dass die Leute sich ihr Geld auszahlen lassen? Die SNB – und noch einige andere Zentralbanken – kamen auf eine glorreiche Idee:

Man müsste doch einfach nur das Bargeld abschaffen!

Ohne Bargeld kann niemand sein Geld horten. Es verstecken. Den Negativzinsen entkommen.

Am 18.05.2015 trafen sich auf einer von der SNB organisierten Konferenz die führenden Köpfe des Finanzwesens in London und diskutierten ernsthaft die Abschaffung des Bargeldes. Und damit die Unausweichlichkeit der Strafzinsen.

Gehortetes Geld – auf einem Konto – wird Jahr für Jahr, Monat für Monat, Woche für Woche weniger. Niemand kann auch nur noch einen einzigen Gedanken daran verschwenden, Geld anzusparen. Es wird ja immer weniger. Geld muss (!) ausgegeben werden, investiert werden. So wie das Experiment vom Wörgler Schwundgeld 1932 gemäß der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Wird das Geld nicht ausgegeben, wird es immer weniger wert. Tag für Tag.

Einige Länder denken bereits über eine Reduzierung des Bargeldes nach. Die Schweiz will die 1.000-Franken-Scheine abschaffen. In Frankreich soll die Maximalsumme für Bargeldabhebungen drastisch reduziert werden. Ähnliches hört man aus Schweden. Griechenland in seiner Finanznot will Bargeldgeschäfte auf eine Maximalsumme von 70 Euro begrenzen.

Einige dieser Finanz- und Wirtschaftsexperten reden sogar davon, dass die Abschaffung des Bargeldes die gesamte Schattenwirtschaft beenden wird und damit Milliarden von zusätzlichen Steuern in den Staatssäckel getrieben werden. Denn wie will man Schwarzarbeit bezahlen, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Wie laufen Drogengeschäfte oder illegale Prostitution, wenn niemand mehr Geldscheine oder Münzen hat? Wie soll die organisierte Kriminalität Erpressungen abwickeln, wenn alles nur per Karte bezahlt werden kann? Was macht ein Bankräuber, wenn die Bank keine Geldscheine mehr hat?

Natürlich wird die Abschaffung des Bargeldes nicht heute oder morgen kommen. Das dauert noch einige Jahre. Vielleicht Jahrzehnte. Aber auf Sicht von 10 oder 20 Jahren wäre es durchaus vorstellbar, dass die Finanzwirtschaft diese Idee durchsetzt.

Silvio Gesell würde sich vermutlich freuen. Geld, das einfach nur herumliegt, verliert an Wert. Die Theorie des erzwungenen Konsums, die er sich ausgedacht hat, kommt jetzt tatsächlich durch die Hintertür der Zentralbanken zum Zuge.

Es wird sehr, sehr interessant!

http://www.dw.de/soll-bargeld-abgeschafft-werden/a-18457007

http://www.goldreporter.de/frankreich-will-bargeldzahlungen-auf-1-000-euro-beschraenken/hot-links/49342/

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-04/griechenland-bruessel-reformplaene-euro

http://blogs.faz.net/fazit/2015/05/18/bargeldaufstand-in-schweden-5838/

http://boerse.ard.de/anlagestrategie/geldanlage/oekonomen-fordern-abschaffung-des-bargelds100.html