Pyramiden oder pyramidenartige Bauwerke gibt es auf der ganzen Welt. Doch wenn man von DEN Pyramiden spricht, dann meint man zumeist die drei großen Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau in Ägypten. Fast alle Historiker sind sich einig, dass sie die Krönung der ägyptischen Pyramidenbaukunst darstellen, die sich aus einfacheren Stufen- und Knickpyramiden und diese wiederum aus althergebrachten Mastabas entwickelt habe.

Hier soll der Versuch einer Erklärung unternommen werden, dass und warum es viel wahrscheinlicher ist, dass es genau anders herum war, dass die Pyramiden von Gizeh keineswegs das Endstadium sondern vielmehr die Vorlage waren, nach der die alten Ägypter ihre (weit weniger imposanten und weit weniger haltbaren) Grabpyramiden erbauten.

Beginnen wir bei der offiziellen Geschichte: Historiker sind sich einig, dass Pharao Djoser um 2650 v. Chr. den ersten pyramidenartigen Bau in Auftrag gab um eine Grabkammer für sich zu schaffen. Es handelt sich dabei um die (ebenfalls gut bekannte) Stufenpyramide. Sie besteht vollständig aus Kalkstein und weist einen nicht quadratischen Grundriss auf. Tatsächlich könnte man mit ein wenig Phantasie annehmen, die Baumeister hätten hier mehrere Mastabas, wie sie bereits lange als Begräbnisstätten in Ägypten bekannt waren, aufeinander geschichtet. Doch warum hätten sie das tun sollen? Was wäre die Treibfeder für ein solch ungewöhnliches Bauwerk gewesen? Einfach nur die schöne Optik? Oder war es die Sicherheit der Mumie, die den Ausschlag gab? Wie kamen die Ägypter ausgerechnet auf die Pyramidenform? Wäre ein massiver Quader nicht gleichförmiger und gleichzeitig auch sicherer gewesen? Oder wie wäre es wenn man das Grab des Pharao mit einem kuppelförmigen Hügel bedeckt?

Wie dem auch sei – sicher scheint zu sein, dass Djoser in dieser Pyramide seine letzte Ruhe finden wollte und wohl auch fand. Sie war von Anfang an einerseits als Grabanlage geplant, andererseits jedoch weit davon entfernt, auch nur annähernd perfekt zu sein. Im Gegensatz zu den Gizeh-Pyramiden ist sie heute akut vom Verfall bedroht. Aber gut….sie ist ja auch viel viel viel älter als die Pyramiden von Gizeh….mag man meinen. Das aber stimmt nicht.

Nach offizieller Geschichtsschreibung währte die Zeit der Pyramidenbauer in Ägypten nur einige wenige Generationen lang. Cheops, der (nach offizieller Geschichtsschreibung) Erbauer der großen Pyramide von Gizeh war Djosers Nachfahre und regierte nur knappe 50 Jahre später, nämlich etwa von 2600 v.Chr. an. So wahnsinnig knapp liegen die Pyramidenbauten von ihren ersten Anfängen bis zu ihrer Vollendung zusammen….zumindest nach offizieller Geschichtsschreibung.

Dazwischen gab es mehrere fulminante Fehlversuche, wie etwa die unvollendete Pyramide des Sechemchet oder die Knickpyramide des Snofru.

Und dann, ganz plötzlich, wussten die alten Ägypter wie man Bauwerke in nahezu vollendeter Perfektion und für eine annähernde Ewigkeit erbaut? Dies wäre ein Entwicklungsschritt wie er selbst für uns in unserer schnelllebigen Zeit unmöglich wäre, müssten wir mit dem Wissen und den Werkzeugen der alten Ägypter zurecht kommen.

Man muss sich das einmal vor Augen halten: 50 Jahre zuvor noch wusste niemand wie eine Pyramide überhaupt zu bauen sei und nun baut man nicht nur die formvollendete Pyramide, sondern legt ihre Seiten auch noch leicht konkav an.

Doch betrachten wir die ganze Sache einmal aus einem anderen Blickwinkel. Welchen Zweck erfüllten die ägyptischen Pyramiden? Nach offizieller Lehrmeinung wurden sie als Grabkammern erreichtet. Das trifft auch auf alle Pyramiden zu; auf alle außer auf die großen Pyramiden von Gizeh. Bei ihnen kann man nur mit viel Phantasie ein Grabmal erkennen. Viele der typischen Ausstattungen ägyptischer Grabmäler fehlen. So fehlt beispielsweise die reiche Dekoration der Innenwände. Sind Ägyptische Grabmäler normalerweise reich mit Reliefs aus dem Leben des Toten und Szenen aus der Ägyptischen Religion, wie etwa der Reise ins Totenreich, geschmückt, so kommen die Wände der Gizeh-Pyramiden geradezu kahl und karg daher. Dabei ist sicher: Hier gab es auch in früheren Zeiten keine reiche Ausschmückung, die spätere Generationen etwa entfernt hätten. So unglaublich gründlich hätten sie dabei gar nicht vorgehen können. Gleichzeitig gibt es aber auch mysteriöse Einrichtungen, die man in keiner anderen Ägyptischen Grabkammer findet, wie etwa die schräg nach oben verlaufenden Gänge, die von der sogenannten Königinnenkammer ausgehen und die in geheimnisvollen Türen oder türähnlichen Einrichtungen münden. Nichts derartiges fand man zuvor oder danach in Ägyptischen Gräbern.

Zudem stellt sich auch die Frage, warum die Ägypter so plötzlich wieder mit dem Pyramidenbau aufhörten und ihre Pharaonen stattdessen im Tal der Könige beisetzten? Der oftmals angeführte Sicherheitsaspekt vor Plünderung kann hier nicht greifen. Um eine Plünderung zu verhindern hätte man wohl kaum alle späteren Pharaonen so dicht beieinander beigesetzt. Man hatte also zunächst alles daran gesetzt, die perfekte Pyramide zu erschaffen und – nachdem man dieses Ziel endlich erreicht hatte – befand man die Pyramide plötzlich nicht mehr für gut?

Ich bin der Überzeugung, dass es den alten Ägyptern nie gelungen ist, die perfekte Pyramide zu bauen. Vielmehr hatte man zunächst versucht, die perfekte Pyramide NACHzubauen. Als dies nicht gelang, verlegte man die Grabmäler ins Tal der Könige. Ich bin der Überzeugung, dass die großen Pyramiden von Gizeh nicht am Ende des Ägyptischen Pyramidenprojekts standen, sondern an ihrem Anfang. Sie waren die Blaupausen für all die vielen vergeblichen Versuche von Djoser bis Snofru. Doch als auch die letzte ihrer Art in einem Desaster endete und noch während der Bauphase abgeändert werden musste, da gaben die antiken Baumeister vermutlich auf.

Man muss sich das einmal vorstellen: Da stehen diese riesigen Bauwerke im scheinbaren Niemandsland. Sie sind verschlossen und ihr Zweck verliert sich ebenso in alten Mythen wie ihre Erbauung. Selbst in unserer heutigen, so aufgeklärten Zeit würde das Interesse erwecken und Ansporn zum Nachbau bieten.

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