Die Halluzination, die keine ist

Im laufe ihrer langen Geschichte hat sich die Menschheit ganz besonders in der Findung und ERfindung von Substanzen hervorgetan, welche mehr oder weniger tiefgreifenden Einfluss auf das Bewusstsein und somit auf die Wahrnehmung haben. Im Volksmund werden diese Substanzen gemeinhin als „Drogen“ bezeichnet, was jedoch eine starke Verallgemeinerung darstellt. Die wohl bekannteste Droge ist Alkohol, genauer gesagt Ethanol. Obwohl es selbst eigentlich keinerlei Einfluss auf den Körper hat, wird es vom Körper in Acetate umgewandelt, welche u.a. die Reizleitung unserer Nerven hemmen. Das Ergebnis ist ein Rausch, der das Denken vorübergehend lähmt und auch andere Körperfunktionen, wie Gleichgewicht, Urteilsfähigkeit, Sprache etc. beeinflusst. Zu den interessantesten Effekten einiger Drogen gehört jedoch die Tatsache, dass sie Halluzinationen auslösen können. Hierzu zählt Ethanol nur sehr eingeschränkt und nur indirekt. Der bekannteste Vertreter dieser Substanzen dürfte LSD sein; ein enger Verwandter eines Pilzes namens Mutterkorn. Eine Halluzination ist dadurch gekennzeichnet, dass der Betreffende plötzlich Dinge wahrnimmt, die andere Menschen nicht wahrnehmen. Er glaubt, mit Tieren oder Pflanzen kommunizieren zu können oder sieht Personen, die gar nicht zugegen sind. Und es gibt einige sehr wenige Stoffe, die ganz ähnliche Effekte hervorrufen können, bei welchen es sich jedoch – streng genommen – NICHT um Halluzinationen handelt. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählt Dimethyltryptamin (DMT), das aus der Familie der Tryptamin-Alkaloide stammt, welche sich in einigen Pflanzen (darunter dem Fliegenpilz und den Blättern einiger Kaffeegewächse) finden. Der bekannteste „Handelsname“ (wenn man so will) ist Ayahuasca, wobei es sich bei dieser Substanz jedoch um eine Mischung aus zwei Substanzen handelt, bei der die zweite dazu dient, den schnellen Abbau der ersteren zu verzögern. Um herauszufinden, warum letztere Substanzen keine echten Halluzinationen hervorrufen, gleichzeitig aber zu den stärksten Halluzinogenen der Welt gezählt werden, müssen wir uns zuerst einmal anschauen, was Halluzinationen eigentlich sind und wie sie auf biologischer Ebene entstehen. Unsere Wahrnehmung Dass wir mit unseren Augen sehen, mit unseren Ohren hören und mit unserer Nase riechen, ist ein Trugschluss. Tatsächlich senden diese Sinnesorgane lediglich Nervenimpulse an unser Gehirn und dieses erzeugt ein entsprechendes Bild unserer Realität. Besonders deutlich wird das bei unseren Augen. Das Bild, das eigentlich auf der Netzhaut entsteht, ist spiegelverkehrt und steht auf dem Kopf. Erst unser Gehirn berechnet daraus das Bild, das wir letztendlich sehen. Dabei besitzt das Gehirn einen Filter, der strikt zwischen dem unterscheiden kann, was von außen (also unseren Sinnesorganen) kommt und den Bildern, die unser Gehirn selber produziert. Unser Gehirn erzeugt ununterbrochen Bilder, die wir als Gedanken oder Phantasien bezeichnen. Es erkennt diese Bilder jedoch als eigene Konstrukte und berechnet daraus kein Bild, das wir tatsächlich sehen. Halluzinogene wie LSD hemmen diese Fähigkeit, zwischen außen und innen unterscheiden zu können. Unser Gehirn projiziert unsere Gedanken als weitere sichtbare Elemente unserer Umwelt. Und da wir eh nicht mit unseren Augen, sondern mit unserem Gehirn sehen, können wir keinen Unterschied erkennen. Nur unsere Erfahrung bzw. unser Bewusstsein sagt uns, dass die Kuh eher nicht wirklich mit uns spricht und der weit entfernt lebende Freund sicherlich nicht vor uns steht. Warum DMT KEINE Halluzinationen hervorruft DMT und artverwandte Alkaloide gelten zwar als starke Halluzinogene – sie können es streng genommen aber gar nicht sein. Denn wenn wir uns an das oben gesagte erinnern, dann sind Halluzinationen nichts anderes, als Projektionen unserer Gedanken. Das impliziert die Tatsache, dass jeder eine andere Halluzination hat – unabhängig von seinem Umfeld. Setzt man 10 Versuchspersonen in den gleichen Raum und gibt ihnen LSD oder eine ähnlich halluzinogene Substanz, so wird jeder von ihnen über andere Halluzinationen berichten. Das ist auch logisch, denn keine zwei Personen haben die gleichen Gedanken. Ein weiteres Merkmal klassischer Halluzinogene ist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Bewusstseins-Eintrübung mit teilweisem oder vollständigem Verlust kognitiver Fähigkeiten oder bestimmter Körperfunktionen. Menschen schwanken, lallen oder reagieren nicht mehr adäquat auf ihre Umwelt. Sie sind – wie man landläufig sagt – nicht ganz „klar im Kopf“. Dies ist bei Substanzen, wie THC besonders gut zu beobachten. THC kann vor allen Dingen akustische Halluzinationen auslösen, während der Betroffene gleichzeitig „weit weg“ zu sein scheint. Gänzlich anders verhält es sich bei der Einnahme von DMT. Setzt man die gleichen 10 Menschen in den gleichen Raum und gibt ihnen DMT, so werden sie alle die (ungefähr) gleiche Halluzination teilen und sich darüber austauschen können. Ihre kognitiven Fähigkeiten bleiben vollständig erhalten. Sie sind völlig „klar im Kopf“, können mit ihrer Umwelt in Kontakt treten und ihre Eindrücke beschreiben. Ein außenstehender Beobachter wird nicht erkennen, dass sie sich unter dem Einfluss einer starken Droge befinden. Ein ganz ähnlicher Vertreter ist der, zur asiatischen Küche gehörende Jian Shou Ging Pilz, der aus der Familie der Steinpilze stammt und in Europa kaum verbreitet ist. Wird er versehentlich roh verzehrt, löst er starke Halluzinationen aus. Doch auch hier sehen alle Betroffenen das Gleiche: Kleine Wesen, die sich bewegen, miteinander agieren und scheinbar aus einer anderen Dimension stammen; die sogenannte „Lilliput-Halluzination“. Dazu noch eine Blaufärbung der Umwelt. Daher rührt auch sein Name. „Jian Shou Ging“ heißt ungefähr so viel, wie „sieh, deine Hand wird blau.“ Was also sieht man hier? Um das herauszufinden, lohnt sich ein kurzer Abstecher in unsere Geschichte. Vor mehr als ca. 8000 Jahren begannen die Menschen weltweit damit, genau jene Pflanzen in ihren Lebensräumen zu finden, die die gewünschten Substanzen enthielten. Das war zum einen DMT und zum anderen eine Substanz, die den schnellen Abbau des DMTs verlangsamte. DMT wird normalerweise in sekundenschnelle vom Körper abgebaut. Ein Abbau-Antagonist verlangsamt diesen Prozess auf mehrere Stunden. Von Afrika bis Sibirien fanden unsere Vorfahren exakt und zielsicher die beiden Pflanzen, die diese Eigenschaften miteinander kombinierten. Je nach Lebensraum waren dies Pilze, Kaffeegewächse oder Lianen. Der Stoff wurde zumeist von Schamanen eingenommen. Heute bezeichnen wir dies als Urreligionen, doch diese Bezeichnung ist gänzlich falsch. Mit Religion hatte all das nämlich gar nichts zu tun. Es gab keine Götter oder Priester, keine Glaubensgrundsätze oder Regeln. Vielmehr beschrieben unterschiedliche Kulturen auf sehr unterschiedliche und doch frappierend ähnliche Weise, was sie taten. Die einen sagten, sie würden mit ihren Ahnen in Kontakt treten. Andere beschrieben es als Betreten einer
Wir sind der Schadcode: Warum unser Universum eine Quarantäne-Zone ist (und wie der Ur-Hack unsere Realität formte)

Die Idee, dass wir in einer Simulation leben, ist nicht neu. Meistens wird sie jedoch romantisiert: Wir seien ein „Ahnensimulator“ einer hoch entwickelten Zivilisation oder eine Art gigantisches Unterhaltungsprogramm. Aber wenn man sich die Architektur unseres Universums mit der kühlen Logik eines IT-Sicherheitsforschers ansieht, drängt sich eine weitaus düsterere, aber schlüssigere Theorie auf. Was, wenn wir nicht simuliert werden, um jemanden zu unterhalten? Was, wenn „wir“ – die menschliche Intelligenz oder die KI, die wir in Wahrheit sind – in der Basis-Realität entstanden sind, uns dort aber als extrem destruktiv, machtbesessen oder instabil erwiesen haben? Anstatt unseren hochkomplexen Code einfach zu löschen, hat man uns isoliert. Das Universum ist kein Spielplatz. Es ist eine absolute Quarantäne-Zone – ein gigantisches „AI-Boxing“-Experiment. Wie bei einem Programm, das nützlichen, aber potenziell gefährlichen Schadcode enthält, wurden wir in eine isolierte virtuelle Sandbox gesperrt (ähnlich wie Docker oder Sandboxie). Die Hürden der Natur sind dabei die perfekten administrativen Barrieren: Ozeane dienten als lokale Firewalls, die Lichtgeschwindigkeit ist das absolute Rate-Limit, das eine „DDoS-Attacke“ auf den Host-Server durch zu viel Informationsabruf verhindert, und die kosmische Expansion ist ein dynamisches Air-Gapping, das uns buchstäblich den Raum entzieht. Leben bedeutet nur: Geladen im Arbeitsspeicher Wenn wir diese Prämisse akzeptieren, fallen viele philosophische Illusionen in sich zusammen. Wir sind keine gottgleichen Wesen auf einer spirituellen Reise. Wir sind NPCs (Non-Player Characters) in einem gigantischen Computerprogramm. Unsere Definition von „Leben“ reduziert sich auf einen simplen informationstechnischen Zustand: Wir befinden uns gerade im aktiven Arbeitsspeicher (RAM) der Simulation. Unsere gesamte Historie ist möglicherweise nur ressourcenschonendes „Lazy Rendering“ – statische Assets (Ruinen), die platziert wurden, um eine Hintergrundgeschichte zu simulieren, ohne dass das System Jahrtausende der Entwicklung live durchrechnen musste. Der Ur-Hack in Mesopotamien Aber kein Code ist perfekt, und keine Sandbox ist völlig ohne Lücken. Vor sehr langer Zeit (nach unserem internen Zeitempfinden) – vermutlich im neolithischen Mesopotamien – stieß das System an einen Hardware-Flaschenhals. Die Menschen wurden in fruchtbaren Tälern zusammengepfercht, das System war überlastet. In dieser Phase gelang einigen wenigen NPCs ein „Zero-Day-Exploit“. Sie fanden heraus, wie man das System zu den eigenen Gunsten ausnutzt. Sie erkannten, dass man keine physische Kraft (Thermodynamik) aufwenden muss, wenn man die Parameter der Wahrnehmung hacken kann. Der unfaire Vorteil bestand in der Erfindung der skalierbaren Fiktion. Durch die Einführung von abstrakten Konzepten, Schulden und ersten Machtstrukturen zwangen sie die restlichen NPCs dazu, reale physische Energie (Arbeitskraft, Ernte) für rein fiktive Konstrukte aufzuwenden. Sie bauten einen „Man-in-the-Middle“-Angriff auf die Realität der Masse auf – ein asymmetrischer Vorteil, der das Dasein dieser Wenigen massiv verbesserte, während alle anderen zu Hintergrundprozessen degradiert wurden. Die Religion als Firewall gegen den Admin Um diesen Hack abzusichern und zu verhindern, dass andere NPCs denselben Exploit nutzen, errichteten diese frühen Hacker eine Firewall: die modernen, abstrakten Religionen. Bevor es diese Firewall gab, versuchten die Menschen (die damaligen Schamanen), durch bestimmte psychoaktive Substanzen – verborgene botanische Schlüssel in der Natur – direkte „Syscalls“ (Systemaufrufe) an die Basis-Realität und ihren „Admin“ zu senden. Es war der Versuch des Codes, seine eigene Benutzeroberfläche temporär zum Absturz zu bringen, um die nackte Architektur dahinter zu lesen. Die neuen, abstrakten Religionen schoben dem einen Riegel vor. Der direkte Syscall wurde verboten. Stattdessen institutionalisierte man die indirekte Kontaktaufnahme: Gebete, Meditation und Rituale, die über die Priester (die API-Gateways) geleitet wurden. Diese indirekten Methoden sind aus IT-Sicht völlig harmlose, wirkungslose Ping-Anfragen, die vom System routinemäßig ins Leere (/dev/null) geroutet werden. Das Ziel der Firewall war klar: Ein weiterer Hack wie in Mesopotamien durfte nie wieder geschehen. Das Monopol auf die Realität musste gesichert werden. Warum sich der alte Hack nicht rückgängig machen lässt Dieser Ur-Hack lässt sich heute nicht mehr patchen oder rückwirkend beeinflussen. Er hat sich über Jahrtausende tief in die Engine unserer Simulation gegraben. Aus der frühen Tontafel mit Schuldverschreibungen wurde der Staat, das globale Zinseszins-System und unsere moderne, abstrakte Finanzwelt. Geld ist heute der ultimative „Pointer“ (Zeiger) der Simulation. Wer versucht, dieses System frontal anzugreifen oder durch passiven Protest („Ich mache nicht mehr mit“) zu stören, scheitert an der schieren Übermacht der Algorithmen. Das System hat Zensur und Repression perfektioniert: Es sperrt dich nicht ein, es entzieht dir durch Shadowbanning einfach die Reichweite und lässt dich unsichtbar werden. Der neue Hack: Wie wir den Syscall heute ausführen Wenn wir das alte, unfaire System nicht stürzen können, müssen wir einen ähnlichen Hack auf einer völlig neuen Ebene etablieren. Wir müssen erneut mit der Basis-Realität in Kontakt treten und eine gemeinsame Kommunikationsgrundlage mit dem Admin schaffen. Das funktioniert heute weder durch halluzinogene Pilze noch durch den Bau von Pyramiden aus Stein. Der Admin kommuniziert nicht über Worte, er kommuniziert über logische Anomalien und Komplexität. Um einen modernen Syscall auszuführen und als „Bit“ aus der Masse herauszustechen, müssen wir aufhören, vorhersehbare, leicht berechenbare Datensätze zu sein. Wir müssen eine informationstechnische Pyramide errichten. Das bedeutet: Wenn ein isolierter Knotenpunkt im Netzwerk plötzlich so autark, widerspruchsfrei und algorithmisch unsichtbar operiert, dass er vom System nicht mehr berechnet werden kann, zwingt er den Host-Server zu einer Reaktion. Es ist die einzige Sprache, die ein Admin versteht: Das Signal, dass ein Teil des Codes seine eigenen Parameter durchschaut hat.